Bolonkas vom Ruhneblick


 

 

 

Tiere als Therapeuten

 

 

 

Wir sind sehr stolz auf unsere Bolonka Hündin Jill-Polly ( aus unserem J-Wurf), die ihren Job als Therapeutin sehr gut macht.

 

Leider konnten wir nur einen Auszug aus dem Zeitungsartikel einstellen daher folgt der ganze Text im Anschluss an den Artikel.

 

 

 

 

Und hier der ganze Text

 

Von Gianna Schlosser

Mülheim. Ganz zufrieden ist Polly mit der neuen Situation noch nicht, aber, hey, wo es was zu futtern gibt,

kann es so schlecht nicht sein. Also macht sie es sich auf dem Schoß von Brunhilde Gerth bequem, nimmt

Leckerlis in Empfang und lässt die Dinge einfach mal auf sich zukommen. Sie ist schließlich noch neu hier.

Die drei Monate alte Bolonka-Hündin kommt erst seit einigen Tagen ins Evangelische Wohnstift

Dichterviertel in Mülheim. Schon bald soll sie jedoch ein wichtiges Mitglied der Gemeinschaft werden.

Denn für die alten, teils dementen Bewohner leistet Polly einen wichtigen Dienst: Sie schenkt Geborgenheit

und gute Gefühle.

Studien belegen heilsame Effekte

Weil sie den Job nicht allein machen kann, hat Polly gefiederte, geschuppte und flauschige Mitstreiter:

zwei Wellensittiche, die Kaninchen Schlappi und Wuschel (ihr Name ist Programm), eine Handvoll Goldfische

(oder vielleicht zwei Handvoll– denn draußen im Teich leben auch noch welche) und fünf Hundekollegen

in wechselnder Besetzung.

„Nicht, dass der Eindruck entsteht, wir hätten hier eine Zoohandlung“, sagt Pflegedienstleitung Sieglinde Hornke

lachend. Nein, dieser Eindruck entsteht nicht: Denn die Tiere stellen keine Attraktion dar, sondern

gehören ganz selbstverständlich zum Alltag: im Aquarium neben der Essecke, in der Voliere an der

Sitzecke, im kleinen Stall im Eingangsbereich. Und die Hunde, die auch mal ein bisschen laut und wuselig

werden können, sind niemals alle gleichzeitig vor Ort.

Sieglinde Hornke war es, die vor einigen Jahren anregte, Tiere im Wohnstift zuzulassen – teilweise als

„Mitbewohner“, wie Vögel, Fische und Kaninchen, teilweise als regelmäßige Besucher wie die Hunde.

Es sei für die Pflegekräfte oft schwer, an manchen Tagen sogar unmöglich, einen Zugang zu sehr

kranken oder dementen Bewohnern zu finden, sagt Sieglinde Hornke, doch über die Tiere funktioniere

das erstaunlich gut: „Die Patienten sind dann auf einmal da – und wenn es nur für diesen einen Moment ist.“

Mit dieser Ansicht steht sie nicht allein da: Seit einigen Jahren setzen Pflegeeinrichtungen in der Therapie

und Betreuung vermehrt Tiere ein.

Auch das „Qualitätshandbuch Leben mit Demenz“ des Kuratoriums Deutsche Altershilfe weist auf

die „würdigende Stimulation“ der Kranken hin, die durch den Umgang mit Tieren ermöglicht werde.

Und das Buch „Heimtiere und Gesundheit. Prävention – Assistenz – Therapie“ der Initiative Zukunft

Heimtier bezeichnet Tiere als erfolgreiche „Co-Therapeuten“ und zitiert Studien, die zahlreiche heilsame

Effekte von Tierkontakt belegen: Stressreduktion, Anregung zu Bewegung und Kommunikation,

Motivation, soziale Unterstützung.  „Sie bringen einfach Leben hier ins Haus – und Glücksgefühle“, so formuliert

es Sieglinde Hornke. Und: „Tiere sind vorurteilsfrei, vor ihnen muss sich niemand für irgendetwas schämen.“

Auch Gisela Weining schätzt die tierische Unterstützung: Seit fünfeinhalb Jahren lebt ihre 90-jährige Mutter in der Einrichtung, zuvor hatte die Tochter sie fünfeinhalb Jahre selbst gepflegt. Gisela Weining weiß also, wie schwer der Umgangund die Kommunikation auch mit einem sehr vertrauten Menschen werden können, wenn die Demenzihn langsam seiner selbst beraubt. Die Tiere indes könnten Nähe schaffen, eine andere Art der Kommunikation ermöglichen. „Für mich als Angehörige ist es enorm wichtig, meine Mutter gut versorgt zu wissen“, sagt Gisela Weining.Und dieses „gut versorgt“ bedeutet für sie mehr als nur die notwendige Pflege. Durch die Tiere, so glaubt sie, bekommt ihre schwerkranke Mutter „Trost, Ablenkung und persönliche Zuwendung“.

Tiere geben ein „Zuhause-Gefühl“

So wie ihre Mutter, die früher einen Wellensittich besaß, sind auch viele andere Patienten den Kontakt mit Tieren gewöhnt, vermissen ihn schmerzlich, wenn sie ihr Zuhause aufgeben müssen. So ist es also auch ein Stück Vertrautheit, das Polly, Wuschel und Co. geben können. Natürlich darf nicht jedes Haustier im Wohnstift ein- und ausgehen: Damit das Konzept funktioniert, die Bewohner davon profitieren und es auch den Tieren gut geht, gelten strenge Auflagen. Und ein Mitarbeiter, der seinen Hund mit einbringen möchte, braucht nicht nur Impfung Gesundheitsnachweise und muss mit ihm die Hundeschule besucht haben – er braucht auch das OK der Pflegedienstleitung. Die tierischen Mitbewohner, die in der Einrichtung leben, werden indes vom Personal gepflegt und regelmäßig von einem Tierarzt untersucht. Für sie hat sich der Einzug ins Wohnstift besonders gelohnt: Denn sie können nicht nur den alten Menschen ein Zuhause-Gefühl schenken – als ehemalige Tierheim-Bewohner haben auch sie selbst hier ein neues Zuhause gefunden. „Natürlich ist das alles aufwendig“, sagt Sieglinde Hornke, „aber der Mehrwert ist einfach riesig“.

Tiere als Co-Therapeuten

Viele Pflegeeinrichtungen setzen auf die positive Wirkung von Hund und Wellensittich

Die junge Bolonka-Hündin Polly sorgt für Vertrautheit und gute Gefühle bei den Bewohnern des Evangelischen Wohnstifts Dichterviertel in Mülheim.

FOTO: S. KONOPKA